AIDS
AIDS, ausgeschrieben erworbenes Immunschwächesyndrom, bezeichnet das Spätstadium einer unbehandelten Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus. Das Virus zerstört über Jahre bestimmte Zellen des Immunsystems, bis der Körper Infektionen und einzelnen Krebsarten nicht mehr standhält. Seit der Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie in den 1990er Jahren lässt sich die Virusvermehrung dauerhaft unterdrücken; bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung erreichen Betroffene heute eine annähernd normale Lebenserwartung, und das Virus wird sexuell nicht mehr übertragen.
Begriff und Abgrenzung #
HIV und AIDS werden häufig gleichgesetzt, bezeichnen aber Verschiedenes. HIV ist der Erreger, eine HIV-Infektion der Zustand des Infiziertseins. AIDS bezeichnet erst das Stadium, in dem infolge der Immunschwäche bestimmte Erkrankungen auftreten, die sogenannten AIDS-definierenden Erkrankungen, darunter bestimmte Lungenentzündungen, Tuberkulose, Pilzinfektionen der Speiseröhre und das Kaposi-Sarkom. Unter wirksamer Therapie erreichen die meisten Menschen mit HIV dieses Stadium nie.
Erreger und Krankheitsverlauf #
HIV gehört zu den Retroviren: Es schreibt sein Erbgut mithilfe des Enzyms Reverse Transkriptase in DNA um und baut es in das Genom der Wirtszelle ein. Befallen werden vor allem T-Helferzellen, die den CD4-Rezeptor tragen und im Immunsystem eine koordinierende Rolle spielen. Die dauerhafte Integration in das Erbgut der Zelle ist der Grund, weshalb eine Heilung bislang nicht möglich ist: Das Virus überdauert in ruhenden Zellen, dem sogenannten latenten Reservoir.
Wenige Wochen nach der Ansteckung kommt es häufig zu einer akuten Phase mit grippeähnlichen Beschwerden, die leicht übersehen wird. Es folgt eine klinisch weitgehend beschwerdefreie Phase, die unbehandelt im Mittel mehrere Jahre dauert, während der die Zahl der CD4-Zellen langsam abnimmt. Sinkt sie unter einen kritischen Wert, häufen sich opportunistische Infektionen, also Erkrankungen durch Erreger, die einem intakten Immunsystem nichts anhaben können.
Übertragungswege #
Übertragen wird das Virus über Blut, Sperma, Vaginalsekret und Muttermilch. Praktisch bedeutsam sind ungeschützter Geschlechtsverkehr, die gemeinsame Nutzung von Spritzbestecken sowie die Übertragung von der Mutter auf das Kind während Geburt oder Stillzeit. Vor Einführung zuverlässiger Testverfahren spielten außerdem Blutprodukte eine Rolle; in Ländern mit systematischer Spendertestung ist dieser Weg heute sehr selten.
Im Alltag besteht kein Ansteckungsrisiko. Händeschütteln, Umarmungen, gemeinsam benutztes Geschirr, Toiletten, Schwimmbäder sowie Husten und Niesen übertragen HIV nicht; auch Insektenstiche sind kein Übertragungsweg. Diese Klarstellung ist mehr als eine Randnotiz, weil unbegründete Ansteckungsfurcht ein wesentlicher Treiber der Stigmatisierung Betroffener ist.
Diagnose #
Der Nachweis erfolgt in der Regel über Labortests, die Antikörper und ein Virusprotein gleichzeitig erfassen. Weil Antikörper erst nach einiger Zeit gebildet werden, gilt ein Test erst nach Ablauf einer definierten Frist nach dem möglichen Risikokontakt als aussagekräftig; ein reaktives Ergebnis wird immer durch einen zweiten Test bestätigt. Zur Verlaufskontrolle dienen die Viruslast, also die Zahl der Viruskopien im Blut, und die CD4-Zellzahl.
Behandlung und Vorbeugung #
Die antiretrovirale Therapie kombiniert Wirkstoffe, die an verschiedenen Stellen des Vermehrungszyklus ansetzen, häufig als eine Tablette täglich; seit einigen Jahren stehen auch Depotspritzen zur Verfügung. Ziel ist eine Viruslast unter der Nachweisgrenze. Ist dieses Ziel dauerhaft erreicht, wird HIV beim Geschlechtsverkehr nicht übertragen, ein Befund, der unter der Kurzformel nicht nachweisbar gleich nicht übertragbar zusammengefasst wird und durch mehrere große Studien gestützt ist.
Zur Vorbeugung stehen Kondome, die Präexpositionsprophylaxe für Menschen mit erhöhtem Risiko sowie die Postexpositionsprophylaxe nach einem konkreten Risikokontakt zur Verfügung. Die Übertragung von der Mutter auf das Kind lässt sich durch Therapie in der Schwangerschaft und geburtshilfliche Maßnahmen auf einen sehr kleinen Restanteil senken. Ein wirksamer Impfstoff existiert trotz jahrzehntelanger Forschung bislang nicht; die hohe Wandlungsfähigkeit des Virus gilt als Hauptgrund.
Verbreitung #
UNAIDS schätzte für das Jahr 2025 die Zahl der Menschen mit HIV weltweit auf rund 41,0 Millionen. Etwa 1,2 Millionen Menschen infizierten sich in diesem Jahr neu, rund 570.000 starben an AIDS-bedingten Erkrankungen. Gegenüber dem Höchststand der Neuinfektionen im Jahr 1994 bedeutet das einen Rückgang um etwa 65 Prozent. Rund 32 Millionen Menschen erhielten Ende 2025 eine antiretrovirale Therapie.
Regional ist die Verteilung sehr ungleich: Das östliche und südliche Afrika trägt weiterhin die größte Krankheitslast, verzeichnet zugleich aber die stärksten Rückgänge. Alle genannten Zahlen sind Schätzungen mit angegebenen Unsicherheitsbereichen und beziehen sich auf den jeweils genannten Stichtag.
Geschichte #
Die US-Seuchenbehörde beschrieb 1981 gehäufte Fälle einer seltenen Lungenentzündung und einer seltenen Krebsform bei zuvor gesunden jungen Männern; dies gilt als erste Dokumentation der Epidemie. 1983 identifizierten Arbeitsgruppen am Institut Pasteur um Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi das Virus, wofür beide 2008 den Nobelpreis für Medizin erhielten. 1987 kam mit Zidovudin das erste Medikament auf den Markt, dessen Wirkung als Einzelsubstanz jedoch begrenzt blieb. Den Wendepunkt brachte 1996 die Kombinationstherapie, die die Sterblichkeit in Ländern mit Zugang zu den Medikamenten binnen weniger Jahre drastisch senkte.
Die Geschichte der Epidemie ist zugleich eine Geschichte gesellschaftlicher Auseinandersetzung: Selbstorganisationen Betroffener erstritten schnellere Zulassungsverfahren und den Zugang zu bezahlbaren Medikamenten in Ländern mit niedrigem Einkommen. Der Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember erinnert seit 1988 an die Erkrankten und Verstorbenen.
Forschung #
Im Mittelpunkt stehen die Suche nach einem Impfstoff, Strategien gegen das latente Reservoir und langwirksame Medikamente, die seltener eingenommen werden müssen. Einzelne Menschen gelten nach Stammzelltransplantationen, die aus anderen Gründen erfolgten, als geheilt; wegen der erheblichen Risiken solcher Eingriffe ist dieses Vorgehen kein Modell für die breite Behandlung, liefert der Forschung aber wichtige Hinweise.
Dieser Artikel gibt den allgemeinen Kenntnisstand wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Fragen zu Test, Risiko oder Behandlung klären Ärztinnen und Ärzte sowie die Beratungsstellen der Aidshilfen.
Quellen
- UNAIDS: Global HIV & AIDS statistics, Fact sheet 2026 (Daten für 2025).
- Weltgesundheitsorganisation: HIV and AIDS, Fact sheet.
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber HIV-Infektion / AIDS.
- Centers for Disease Control and Prevention: Pneumocystis Pneumonia, Los Angeles. MMWR, 5. Juni 1981.
- Nobelprize.org: The Nobel Prize in Physiology or Medicine 2008, Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier.
- Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion, AWMF.