Existentialismus
Der Existentialismus ist eine philosophische Strömung, die die konkrete, individuelle Existenz des Menschen sowie dessen Freiheit und Verantwortung in den Mittelpunkt des Denkens stellt. Er entwickelte sich im 19. Jahrhundert aus Vorläufern wie Søren Kierkegaard und erreichte seinen Höhepunkt im 20. Jahrhundert vor allem in Frankreich.
Grundgedanken #
„Die Existenz geht der Essenz voraus“ #
Jean-Paul Sartres berühmte Formel besagt, dass der Mensch – anders als ein Werkzeug, das nach einem Zweck entworfen wird – zunächst existiert und sich sein Wesen erst durch freie Entscheidungen und Handlungen selbst schafft. Daraus folgt eine radikale Verantwortung des Individuums für sein eigenes Leben.
Freiheit, Angst und Absurdität #
Existentialistische Denker beschäftigen sich mit Grunderfahrungen wie Angst, Verzweiflung und der Konfrontation mit dem eigenen Tod. Albert Camus entwickelte in diesem Zusammenhang den Begriff des Absurden – die Erfahrung eines grundsätzlichen Sinnkonflikts zwischen dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und einem gleichgültigen Universum.
Vertreterinnen und Vertreter #
Neben Sartre prägte Simone de Beauvoir mit ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ (1949) die existentialistische Philosophie und die feministische Theorie zugleich. Albert Camus, obgleich er die Zuschreibung als Existentialist zeitlebens zurückwies, gilt gemeinhin als eng verwandter Denker.
Einordnung #
Der Existentialismus beeinflusste über die Philosophie hinaus Literatur, Theater und Psychotherapie und prägte das intellektuelle Klima des Nachkriegseuropas maßgeblich. Kritiker warfen der Strömung teils übermäßigen Individualismus vor, während Anhänger sie als Ermächtigung des Einzelnen gegenüber ideologischen Systemen verstanden.
Quellen
- Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktails. C.H. Beck, München 2016.
- Jean-Paul Sartre: Der Existenzialismus ist ein Humanismus. Rowohlt, Reinbek 1994 (Erstausgabe 1946).