Afrika
Afrika ist nach Asien der zweitgrößte Kontinent der Erde. Er umfasst rund 30 Millionen Quadratkilometer, etwa ein Fünftel der Landfläche des Planeten, und beherbergt nach Schätzungen der Vereinten Nationen etwa 1,59 Milliarden Menschen (Stand 2026). Afrika ist der einzige Kontinent, der sich über beide gemäßigten Zonen erstreckt und vom Äquator annähernd mittig geteilt wird. Politisch gliedert er sich in 54 international anerkannte Staaten; das Medianalter der Bevölkerung liegt bei etwa 19,5 Jahren und damit deutlich unter dem aller anderen Erdteile.
Lage und Abgrenzung #
Afrika wird im Norden vom Mittelmeer begrenzt, im Westen vom Atlantik, im Osten vom Indischen Ozean. Die Grenze zu Asien verläuft am Isthmus von Sues; seit dem Bau des Sueskanals ist die Landverbindung durchtrennt. Die Sinai-Halbinsel gehört staatlich zu Ägypten, geographisch jedoch zu Asien. Vor der Südostküste liegt Madagaskar, die viertgrößte Insel der Erde.
Naturraum #
Relief und geologische Grundlage #
Ein großer Teil Afrikas ruht auf sehr altem kontinentalem Grundgebirge und bildet ausgedehnte Tafelländer. Junge Faltengebirge sind selten; das Atlasgebirge im Nordwesten ist eine der wenigen Ausnahmen. Prägend für den Osten ist der Ostafrikanische Grabenbruch, an dem der Kontinent auseinanderdriftet. In seinem Umfeld liegen die höchsten Erhebungen, darunter der Kilimandscharo mit 5.895 Metern, sowie tiefe Grabenseen wie der Tanganjikasee.
Klima und Vegetation #
Die Klimazonen sind vom Äquator nach Norden und Süden weitgehend spiegelbildlich angeordnet. Auf den immerfeuchten tropischen Regenwald des Kongobeckens folgen Feuchtsavannen, Trockensavannen und schließlich die Wüsten Sahara im Norden und Namib sowie Kalahari im Süden. An den Nord- und Südrändern schließen schmale Streifen mit mediterranem Klima an. Die Sahara ist mit über neun Millionen Quadratkilometern die größte Trockenwüste der Erde; südlich schließt sich der Sahel als Übergangszone an, deren Niederschläge stark schwanken.
Tier- und Pflanzenwelt #
Afrika beherbergt die letzten großen zusammenhängenden Bestände an Großsäugern, darunter Elefanten, Nashörner, Giraffen und große Raubtiere. Deren Lebensräume sind zunehmend auf Schutzgebiete beschränkt; bekannt sind Serengeti, Krüger-Nationalpark und Chobe-Nationalpark. Die Regenwälder des Kongobeckens bilden nach dem Amazonasgebiet das zweitgrößte tropische Waldgebiet der Erde und sind für den globalen Kohlenstoffhaushalt bedeutend.
Bevölkerung #
Mit etwa 1,59 Milliarden Menschen stellt Afrika rund 19 Prozent der Weltbevölkerung. Die Bevölkerung wächst schneller als auf jedem anderen Kontinent; die Vereinten Nationen rechnen für 2050 mit rund 2,5 Milliarden Menschen. Der Anteil junger Menschen ist entsprechend hoch, was je nach Rahmenbedingungen als demografische Chance oder als Belastung für Bildungs- und Arbeitsmärkte diskutiert wird.
Die Verteilung ist ungleich: Die Sahara ist weitgehend unbesiedelt, während das Niltal, die Küsten Westafrikas und das ostafrikanische Hochland dicht bevölkert sind. Rund 45 Prozent der Menschen leben in Städten, ein Anteil, der rasch steigt. Sprachlich ist Afrika der vielfältigste Kontinent: Schätzungen nennen rund 2.000 Sprachen, die überwiegend vier großen Sprachfamilien zugeordnet werden. Kolonialsprachen wie Französisch, Englisch, Portugiesisch und Arabisch dienen vielerorts als Amtssprachen.
Geschichte #
Ursprung des Menschen #
Nach heutigem Forschungsstand ist Afrika der Entstehungsort der Gattung Homo. Die ältesten bekannten Fossilien des anatomisch modernen Menschen stammen aus Afrika; von dort aus besiedelte er die übrigen Erdteile. Der Große Afrikanische Grabenbruch gehört zu den fundreichsten Regionen der Paläoanthropologie.
Frühe Hochkulturen und Reiche #
Im Niltal entstand ab dem vierten Jahrtausend vor Christus das Alte Ägypten, eine der frühesten Staatsbildungen der Menschheit. Südlich davon folgten Kusch und Meroë, am Horn von Afrika das Reich von Aksum. In Westafrika beherrschten vom achten Jahrhundert an die Reiche von Ghana, Mali und Songhai den Transsaharahandel mit Gold und Salz; Timbuktu wurde zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit. Im südlichen Afrika zeugen die Steinbauten von Great Zimbabwe von einem bedeutenden Handelsgemeinwesen.
Sklavenhandel und Kolonialzeit #
Vom sechzehnten bis ins neunzehnte Jahrhundert verschleppte der transatlantische Sklavenhandel Millionen Menschen nach Amerika; parallel bestand ein älterer Handel über die Sahara und den Indischen Ozean. Auf der Berliner Konferenz von 1884/85 teilten europäische Mächte den Kontinent unter sich auf, ohne bestehende Gemeinwesen zu berücksichtigen. Die dabei gezogenen Grenzen bestehen weitgehend bis heute und trennen vielfach zusammengehörige Bevölkerungsgruppen.
Unabhängigkeit und Gegenwart #
Die Entkolonialisierung erreichte um 1960 ihren Höhepunkt, als zahlreiche Staaten die Unabhängigkeit erlangten. Die 1963 gegründete Organisation für Afrikanische Einheit ging 2002 in der Afrikanischen Union auf, der alle Staaten des Kontinents angehören. Der jüngste Staat ist der 2011 gegründete Südsudan; der völkerrechtliche Status der Westsahara ist weiterhin ungeklärt.
Wirtschaft #
Die Wirtschaftsstruktur ist sehr unterschiedlich. Viele Staaten verfügen über bedeutende Rohstoffe, darunter Erdöl, Erdgas, Gold, Diamanten, Bauxit, Kupfer und die für Batterien wichtigen Metalle Kobalt und Lithium. Die starke Abhängigkeit von Rohstoffexporten macht die betreffenden Volkswirtschaften anfällig für Preisschwankungen auf den Weltmärkten. Die Landwirtschaft beschäftigt weiterhin einen großen Teil der Erwerbstätigen.
Zu den prägenden Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zählt die rasche Verbreitung des Mobilfunks, die stationäre Netze weitgehend übersprungen hat und mobiles Bezahlen in mehreren Ländern zum Alltag machte. Mit der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone soll der bislang geringe Handel zwischen afrikanischen Staaten ausgebaut werden.
Einordnung #
Verallgemeinerungen über Afrika greifen regelmäßig zu kurz. Zwischen dem Kongobecken und Marokko, zwischen Kapstadt und Mogadischu liegen größere Unterschiede in Klima, Sprache, Religion, Staatsform und Wirtschaftsleistung als zwischen vielen europäischen Ländern. Die Fläche des Kontinents wird zudem auf der verbreiteten Mercator-Projektion systematisch unterschätzt; tatsächlich fänden die Vereinigten Staaten, China, Indien und weite Teile Europas gemeinsam darin Platz.
Quellen
- Vereinte Nationen, Department of Economic and Social Affairs: World Population Prospects, Revision 2024.
- Worldometer: Bevölkerung Afrikas, Auswertung der UN-Daten, Stand 2026.
- Afrikanische Union: Mitgliedstaaten und Gründungsdokumente.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Afrika.
- John Iliffe: Geschichte Afrikas. C. H. Beck.